Comicbörsen und Sammlertreffen
Auf einer Comicbörse kann man stundenlang stöbern: Kisten voller Hefte und Alben, dazwischen gesuchte Raritäten und viele Gespräche unter Gleichgesinnten. Diese Seite zeigt, was Börsen von Festivals und Cons unterscheidet, wo sich die Szene im deutschsprachigen Raum regelmäßig trifft und wie man den ersten Besuch gut vorbereitet.
Was eine Comicbörse ausmacht
Eine Comicbörse ist in erster Linie ein Markt für Sammler. An langen Tischreihen bieten Händler, Antiquariate und Privatleute ihre Ware an – oft Sammler, die Dubletten abgeben oder ihre Sammlung verkleinern. Neben aktuellen Heften und Alben liegt viel gebrauchte und antiquarische Ware aus: Klassiker, Serienlücken, Raritäten und günstige Lesestapel. Gekauft, getauscht und gefachsimpelt wird gleichermaßen. Häufig signieren Zeichnerinnen und Zeichner, Kleinverlage stellen Neues vor, Fanclubs zeigen ihre Hefte. Manche Börsen sind zugleich das Sammlertreffen einer bestimmten Reihe, zu dem Fans von weit her anreisen. Die meisten Börsen dauern nur einen Tag und finden am Wochenende statt.
Festival, Messe oder Con – was anders ist
Comic-Festivals stellen die Kunstform in den Mittelpunkt: Ausstellungen, Lesungen, Gespräche und Preisverleihungen, dazu oft eine Verlagsmesse mit Neuheiten und Signierstunden. Der Internationale Comic-Salon Erlangen findet seit 1984 alle zwei Jahre über vier Tage statt; dort wird auch der Max-und-Moritz-Preis verliehen. Im Wechsel mit Erlangen findet seit 2007 das Comicfestival München statt. Beide Festivals haben eine eigene Comicbörse im Programm. Das internationale Comic-Festival Fumetto in Luzern, gegründet 1992, lädt jedes Jahr im Frühjahr neun Tage lang zu Ausstellungen ein.
Comic Cons verbinden Comics mit Film, Serien, Gaming und Cosplay und laden prominente Gäste ein. Die Comic Con Stuttgart findet seit 2016 einmal im Jahr statt, ebenso die Vienna Comic Con seit 2015. Für Sammler interessant ist dort vor allem der große Händlerbereich. Die Grenzen sind fließend: Die Vienna Comix begann 1993 als eintägige Comic- und Figurenbörse in einem Wiener Pfarrsaal und ist heute eine große Messe mit Verkaufsbörse.
Börse, Messe, Festival – die Unterschiede
Die Bezeichnungen werden nicht einheitlich verwendet; manche eintägige Börse nennt sich auch Comicmesse. Als Orientierung:
| Merkmal | Börse | Messe / Con | Festival |
|---|---|---|---|
| Schwerpunkt | Kaufen, verkaufen, tauschen | Neuheiten, Stargäste, Cosplay | Ausstellungen, Lesungen, Preise |
| Anbieter | Händler und Privatsammler | Verlage, Händler, Zeichner | Verlage, Zeichner, Kulturinstitutionen |
| Dauer | meist ein Tag | oft ein Wochenende | mehrere Tage |
| Rhythmus | ein- bis mehrmals im Jahr | meist jährlich | jährlich oder alle zwei Jahre |
| Für Sammler | Lücken schließen, Raritäten finden | Signaturen, Sonderausgaben | Entdecken, teils mit eigener Börse |
Regelmäßige Börsen im deutschsprachigen Raum
Viele Städte haben feste Börsentermine, manche mit jahrzehntelanger Tradition. Eine Auswahl:
- Köln – Die Comicmesse in Köln-Mülheim findet zweimal im Jahr statt, im Mai und im November. Mit einem der größten Comic-Antiquariate im deutschsprachigen Raum ist sie ein zentraler Treffpunkt für Sammler.
- Berlin – Veranstaltungen unter dem Namen Berliner Comicbörse gibt es seit 1973. Heute findet die Börse halbjährlich an jeweils einem Tag statt, mit Händlern, Verlagen, Zeichnern und Fanclubs.
- Stuttgart – Anlaufpunkt für Sammler ist vor allem die jährliche Comic Con Stuttgart mit ihrem großen Händlerbereich.
- München – Hier gehört eine Comicbörse fest zum Comicfestival, das alle zwei Jahre stattfindet.
- Wien – Die Wiener Comic & Film Börse lädt drei- bis viermal im Jahr sonntags zum Kaufen, Verkaufen und Tauschen ein; dazu kommen die Vienna Comix und die Vienna Comic Con.
- Wolfen – Für Mosaik-Sammler ist die jährliche Mosaik-Börse ein fester Termin: seit 2005 in Wolfen, zuvor von 1992 bis 2002 in Apolda, mit Fanclubs, Zeichnern und dem Verlag. Was alte Hefte der Reihe wert sind, zeigt die Seite Mosaik-Heft-Werte.
- Zürich – Auf der Comicbörse bieten Händler und Privatleute aus der Schweiz und aus Deutschland alte und neue Hefte, Originale und Figuren an.
So läuft ein Börsentag ab
Vor der Öffnung bauen die Anbieter ihre Tische auf. Wer zur Öffnung da ist, hat die größte Auswahl; größere Veranstaltungen verkaufen teils Tickets mit früherem Einlass. Typisch sind lange Reihen von Kartons, in denen Hefte nach Serien und Nummern sortiert stehen, dazu Wühlkisten mit günstiger Ware zum Stöbern. Die meisten Stücke tragen einen Preis, oft direkt auf der Hülle; bei besonders gesuchten Heften steht mitunter nur „Gebot“. Besonders Wertvolles liegt häufig gesondert hinter dem Tisch – ein kurzes Nachfragen genügt. Handeln gehört dazu: Wer mehrere Hefte am selben Stand kauft, kann nach einem Paketpreis fragen.
Tipps für den ersten Besuch
- Bargeld mitnehmen – am besten in kleinen Scheinen, denn nicht jeder Stand nimmt Karten.
- Suchliste schreiben – eine Wantlist mit Reihen, Heftnummern und gewünschtem Zustand spart Zeit und verhindert Doppelkäufe.
- Preise vorab kennen – wer weiß, was ein Heft üblicherweise kostet, erkennt faire Angebote schneller; Grundlagen stehen auf der Seite Werte.
- Zustand prüfen – Rücken, Ecken, Heftklammern, Vollständigkeit und Beilagen ansehen; ein Heft nur nach Rückfrage aus der Hülle nehmen. Die Maßstäbe erklärt die Seite Grading.
- Nachdrucke und Fälschungen erkennen – Druckvermerk, Preisaufdruck und Papier verraten viel. Woran man Originale erkennt, zeigen die Seiten Erste Ausgaben und Mosaik-Heft-Werte. Bei gegradeten Heften lässt sich die Zertifikatsnummer in der Online-Datenbank des Grading-Dienstes abgleichen.
- Schutz für den Heimweg – Hüllen, Boards und eine stabile Box mitnehmen, damit die Neuerwerbungen unbeschadet ankommen. Mehr dazu auf der Seite Pflege.
Aus Verkäufersicht: der eigene Tisch
Wer selbst verkaufen möchte, meldet beim Veranstalter einen Tisch an. Viele Börsen nehmen neben Händlern ausdrücklich auch Privatleute auf, die Dubletten abgeben oder eine Sammlung auflösen. Gute Vorbereitung zahlt sich aus: Hefte nach Reihe und Nummer sortieren, in Hüllen mit Board stecken und jedes Stück mit einem Preis versehen. Eine Kiste mit günstigen Heften lockt Stöberer an, wertvolle Stücke bleiben gut geschützt hinter dem Tisch. Wechselgeld und etwas Verhandlungsspielraum gehören ebenfalls dazu. Preisfindung und weitere Verkaufswege beschreibt die Seite Comics verkaufen.
Termine, Orte und Abläufe ändern sich immer wieder. Vor jedem Besuch sollte man die aktuellen Daten direkt beim Veranstalter prüfen.
Häufige Fragen
- Was unterscheidet eine Comicbörse von einer Comic Con?
Auf einer Börse steht der Handel mit Sammlerware im Mittelpunkt: Händler und Privatleute verkaufen und tauschen Hefte, Alben und Raritäten, meist an einem einzigen Tag. Eine Comic Con verbindet Comics mit Film, Serien, Gaming und Cosplay, lädt prominente Gäste ein und dauert oft ein ganzes Wochenende. Einen Händlerbereich gibt es dort ebenfalls.
- Wann lohnt sich der Börsenbesuch am meisten?
Wer bestimmte Hefte sucht, kommt am besten zur Öffnung, denn dann ist die Auswahl am größten. Wer lieber in Ruhe stöbert, findet auch später am Tag noch viel. Gegen Ende sind manche Anbieter eher zu Nachlässen bereit.
- Kann man auf einer Comicbörse auch eigene Comics verkaufen?
Ja. Tische werden in der Regel beim Veranstalter angemeldet, und viele Börsen nehmen neben Händlern auch Privatleute auf. Einige Händler kaufen vor Ort auch an, zahlen dafür aber meist deutlich weniger als den späteren Verkaufspreis. Wer Zeit hat, erzielt am eigenen Tisch oft bessere Preise.
- Wo findet man aktuelle Börsentermine?
Am verlässlichsten auf den Websites der Veranstalter, dazu in den Terminkalendern von Comic-Portalen, Sammlerforen und Fanclubs. Da sich Termine und Orte ändern können, lohnt vor der Anreise ein kurzer Blick auf die Seite des Veranstalters.